3D-Betondruck im Einfamilienhausbau

Der 3D-Druck bzw. 3D-Betondruck im Bauwesen hat sich in Europa von einzelnen Pilotprojekten hin zu ersten kleinen Serienanwendungen entwickelt, spielt beim klassischen Einfamilienhaus aber noch eine Nischenrolle. Besonders sichtbar ist die Technologie in Deutschland, Dänemark und Irland, wo konkrete Wohnprojekte mit 3D-Betondruck – Bauteilen entstehen.

Vorreiter Deutschland Einfamilienhausbau

Beim Thema 3D-Druck für das Einfamilienhaus gilt Deutschland als einer der Vorreiter in Europa. In Beckum wurde bereits 2021 ein zweigeschossiges Einfamilienhaus mit etwa 160 Quadratmetern Wohnfläche im 3D-Betondruck errichtet, das als KfW‑55‑Effizienzhaus konzipiert ist. Neuere Projekte wie DREIHAUS in Heidelberg zeigen, dass sich der 3D-Druck von Wohngebäuden zunehmend in Richtung serieller Konzepte entwickelt, auch wenn es sich häufig um Mehrfamilien- oder Mischformen handelt. Für das klassische Einfamilienhaus bedeutet das: Die Technik ist praxiserprobt, aber noch nicht Standard in der breiten Baupraxis.

Europaweit existiert eine Reihe von Projekten, bei denen der 3D-Druck direkt auf das Einfamilienhaus oder kleine Wohnhäuser zielt. In Italien wurde etwa in Mailand ein 3D-gedrucktes Haus mit rund 100 Quadratmetern als Demonstrationsbau realisiert, das Wohn- und Schlafbereich, Küche und Bad umfasst und die Machbarkeit komplexer Grundrisse zeigt. In Irland entstand 2024 ein kleines 3D-gedrucktes Quartier mit drei dreigeschossigen Häusern, das vollständig den europäischen Normen (Eurocode 6, ISO/ASTM 52939:2023) entspricht und damit wichtige baurechtliche Hürden adressiert. Solche Projekte schaffen wichtige Referenzen, damit Bauämter dem 3D-Druck beim Einfamilienhaus eher zustimmen.

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Technologisch befindet sich der 3D-Druck für das Einfamilienhaus in Europa auf einem Niveau, das in der Praxis funktioniert, aber noch skaliert werden muss. Studien und Projektberichte zeigen Einsparpotenziale von etwa 30 Prozent bei Bauzeit und rund 10 Prozent bei den Baukosten im Vergleich zur konventionellen Bauweise, vor allem durch kürzere Rohbauzeiten und automatisierte Fertigung. Gerade beim Einfamilienhaus, das oft individuell geplant wird, ist die Wirtschaftlichkeit des 3D-Drucks derzeit vor allem bei typisierten oder modularen Entwürfen gegeben. Im Unterschied zu großen Wohnanlagen wie dem 36‑Apartments‑Projekt in Dänemark steht beim Einfamilienhaus bislang weniger die Masse, sondern der Innovations- und Demonstrationscharakter im Vordergrund.

Regulatorisch ist die wichtigste Entwicklung, dass erste 3D-gedruckte Wohnhäuser in Europa nach etablierten Normen und nationalen Bauordnungen genehmigt wurden. Damit wird der 3D-Druck für das Einfamilienhaus perspektivisch planbarer, weil sich Planer an vorhandenen Nachweisen orientieren können. Gleichzeitig bleiben Themen wie Langzeitverhalten des Materials, Anschlussdetails, Brandschutz und Schallschutz zentrale Punkte, die bei jedem neuen 3D-Druck‑Einfamilienhaus projektspezifisch nachgewiesen werden müssen. Insgesamt lässt sich sagen: Der 3D-Druck für das Einfamilienhaus in Europa ist technisch reif genug für echte Projekte, aber noch nicht an dem Punkt, an dem ein Bauherr ihn wie selbstverständlich im Katalog des örtlichen Bauunternehmers auswählen kann.

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Preisvergleiche und mögliche Aussichten

Für ein schlüsselfertiges 3D-Druck‑Einfamilienhaus in gehobener Qualität werden in Deutschland derzeit typischerweise etwa 3.000 bis 4.000 Euro pro Quadratmeter genannt. Ein Beispiel: 120 Quadratmeter Wohnfläche im mittleren Segment liegen bei rund 2.700 Euro pro Quadratmeter, also etwa 324.000 Euro nur für das 3D-Druck‑Haus ohne Grundstück.

Konventionelle Einfamilienhäuser im guten Standard liegen je nach Region meist im Bereich von etwa 2.500 bis 3.500 Euro pro Quadratmeter schlüsselfertig, sodass der 3D‑Druck aktuell eher im oberen Mittelfeld, teilweise leicht darüber liegt. Einzelne internationale Projekte und sehr einfache 3D‑Druck‑Häuser kommen deutlich günstiger (ab rund 15.000 bis 100.000 Euro Gesamtbaukosten), sind aber meist Demonstrationsbauten, Minihäuser oder in Ländern mit anderen Baustandards.

Fachartikel und Marktbeobachtungen gehen von einem Einsparpotenzial von etwa 20 bis 30 Prozent gegenüber klassischem Bau aus, wenn die Technik im größeren Maßstab eingesetzt wird, vor allem durch weniger Personal und schnellere Bauzeit. Marktstudien erwarten für den weltweiten Markt für 3D‑gedruckte Häuser Wachstumsraten von 60 bis 70 Prozent jährlich; bis Anfang der 2030er Jahre könnten Volumina im Milliardenbereich erreicht werden.

Für Europa wird speziell im Bausektor ein deutlich wachsender Markt für 3D‑Druck im Bau prognostiziert, getrieben durch Wohnraummangel, Fachkräftemangel am Bau und den Druck zu nachhaltigerem, ressourcenschonendem Bauen. Mittelfristig (bis etwa 2030) halten einige Prognosen bis zu 20 bis 25 Prozent Anteil 3D‑gedruckter Häuser an den Neubauten in bestimmten Regionen für möglich, wenn Normen, Genehmigungsprozesse und die industrielle Skalierung mitziehen.

Mit zunehmender Automatisierung, mehr Konkurrenz unter Anbietern und standardisierten Typenhäusern dürfte der Quadratmeterpreis für 3D‑Druck‑Einfamilienhäuser eher sinken, insbesondere was Rohbau- und Arbeitskosten angeht; Materialpreise und Grundstück bleiben aber Kostentreiber. Realistisch ist: Kurzfristig bleibt der 3D‑Druck beim Einfamilienhaus noch im „Early‑Adopter‑Segment" mit Preisen nahe hochwertiger konventioneller Bauweise; langfristig kann er vor allem beim seriellen, standardisierten Einfamilienhaus einen echten Kostenvorteil bringen.

Quellen: Perplexity AIBauVolutionGebäudeforum.deCobod.comparametric-architecture.com

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Autor: Thorsten M. Krause.